
Weit im Südwesten liegt Güzelyurt, dramatisch am Rande eines tiefen Canyons gelegen. Geografisch blickt der Ort direkt auf das eiszeitlich geprägte Massiv des Hasan Dağı. Abseits der byzantinischen Sakralbauten des Tals fasziniert hier das alte Felsenkloster, das wie eine Trutzburg in den nackten Stein getrieben wurde.

Die Architektur ist von rauer Zweckmäßigkeit: Während die tiefen Innenräume direkt aus dem Tuffstein geschlagen sind, wurde die Außenfront teilweise mit grob behauenen Feldsteinen erweitert und abgestützt, um den Hang vor dem Kollaps zu bewahren.
Der Schritt ins Innere führt mich in eine Welt von asketischer Karkheit. Keine Verzierungen oder spätere Umbauten dämpfen den Schritt; der nackte, staubige Boden und die roh behauenen Wände zeugen von der radikalen Abkehr der Mönche von jeglichem weltlichen Prunk.

Die Räume – einstige Schlafnischen, Vorratskammern und schlichte Andachtsorte – wirken in ihrer Leere wie versteinerte Echos einer Epoche, in der der Glaube vor allem die absolute Isolation und das Ertragen der anatolischen Kälte suchte.

