
Der Hasan Dağı in Zentralanatolien ist ein inaktiver Schichtvulkan und geografisch und geologisch der eigentliche Schöpfer des gesamten südlichen Kappadokiens. Gemeinsam mit dem Erciyes Dağı bei Kayseri spie er vor Jahrmillionen jene unvorstellbaren Mengen an Asche und Lava aus, die das Fundament für die Tuffsteinlandschaften bildeten.
Am südwestlichen Horizont der anatolischen Hochebene ragt dieses gigantische Monument der Erdgeschichte empor, dessen eiszeitlich geprägte Flanken majestätisch in den Himmel steigen. Der Hasan Dağı ist mit 3268 Meter der zweithöchste Vulkan Zentralanatoliens, doch der Koloss ist kein einzelner Berg; er ist ein komplexer, doppelgipfeliger Schichtvulkan (Stratovulkan), bestehend aus dem mächtigen östlichen Hauptgipfel (Büyük Hasandağ) und seinem etwas niedrigeren, westlichen Zwilling (Küçük Hasandağ). Zusammen bedecken ihre vulkanischen Ablagerungen ein Areal von über 760 Quadratkilometern.

Die geologische Evolution dieses Riesen vollzog sich in vier monumentalen Akten, die vor rund 13 Millionen Jahren im Miozän mit dem urtümlichen Keçikalesi-Vulkan begannen. Über die Epochen des Paläo- und Mesovulkans wuchs das Massiv kontinuierlich an, bis im Quartär die Phase des heutigen Neovulkans anbrach.
Der Hasan Dağı ist ein Kind der tektonischen Zerreißproben Anatoliens: Seine Entstehung ist direkt an das komplexe Störungssystem der tuskischen Erdkruste gekoppelt. Hier stieg in einer flachen Magmakammer in nur wenigen Kilometern Tiefe basaltisches Magma auf, das sich durch komplexe Schmelzprozesse in hochviskose, kieselsäurereiche andesitische und dacitische Laven verwandelte.
Aus der Ferne wirkt die Silhouette des Berges friedlich, fast sanft. Doch die Geologie offenbart ein Protokoll unvorstellbarer Gewalt. Die Asche, die dieser Berg einst spie, bildet heute das Fundament, auf dem die Zivilisationen Kappadokiens ihre Höhlenstädte errichteten.

Die Peak-Region des Hasan Dağı wird von einer gewaltigen, vier bis fünf Kilometer breiten Caldera dominiert. Diese entstand, als die Magmakammer nach hochexplosiven Eruptionen schlagartig geleert wurde und das gesamte Dach des Berges in sich zusammenbrach. Bei diesen plinianischen Eruptionen rissen pyroklastische Ströme und glühende Ignimbrit-Wolken mit Orkanstärke die Hänge hinab. Sie lagerten jene mächtigen, hunderte Meter dicken Ascheschichten im Umland ab, die durch den Druck und die Hitze zu dem weichen Tuffstein verbacken wurden, aus dem Flüsse wie der Melendiz später das Ihlara Tal meißelten.
Obwohl der Hasan Dağı nahe Güzelyurt heute als ruhend klassifiziert wird, ist er geologisch betrachtet keineswegs tot. Seine letzte große Eruption ereignete sich um das Jahr 7500 v. Chr. – ein Ereignis von so dramatischer Tragweite für die Region, dass die steinzeitlichen Bewohner der nahegelegenen Siedlung Çatalhöyük den Ausbruch in einer berühmten, prähistorischen Wandmalerei festhielten, die heute als die älteste vulkanologische Karte der Menschheit gilt. Der steinerne Wächter schläft, doch sein Herz schlägt weiter im Takt der anatolischen Erde.

