Kayaköy – Das Geisterdorf

Kayaköy bei Fethiye
Einst sollen bis zu 25000 Menschen in Levissi, dem heute “Kayaköy” genannten Dorf bei Fethiye gelebt haben, das bis 1922 von anatolischen Griechen besiedelt war. Seitdem ist der malerische Ort an den mit Nadelbäumen bewaldeten Hängen nahe der Mittelmeerküste verlassen, ein Geisterdorf.

Kayaköy – Das Geisterdorf

Mit der Gründung der Republik Türkei 1923 und dem damals mit Griechenland vereinbarten Bevölkerungsaustausch wurde auch dieser Ort Opfer der Spannungen zwischen den beiden Ländern in jenen Jahren. Vom 13. Jahrhundert bis in die 1920er Jahre war das Dorf von Christen bewohnt gewesen, die ursprünglich aus West-Trakien gestammt haben sollen.
Ruine einer Kirche in Kayaköy bei Fethiye
Es heißt, die Bewohner hätten etwa 3500 Häuser auf Fels an den Hängen gebaut, um die Flächen im Tal für die Landwirtschaft nutzen zu können. Heute sind jedoch nur noch ca. 500 Ruinen zu sehen. Levissi war bis vor hundert Jahren eine lebhafte Siedlung mit Schulen, Ärzten und Apotheken, sogar eine Zeitung soll im Ort erschienen sein.

Die Gebäude sind so angeordnet, dass kein Haus dem anderen den Blick nimmt. Im Ort befinden sich zwei Kirchen und vierzehn Kapellen, die, wie die meisten Häuser, ziemlich verfallen sind, da sie erst sehr spät unter Schutz gestellt wurden. Den Häusern fehlen die Fenster und Türen und zumeist auch die Decken. Die ehemaligen Holzportale der Kirchen werden heute im Museum in Fethiye ausgestellt.

Einen herrlichen Blick auf das Dorf hat man, wenn man auf den Trampelpfaden den Berghang in Richtung Ölüdeniz erklimmt. Hier weht selbst im Sommer ein frischer Wind und Grashüpfer zirpen zwischen mediterranen Gewächsen wie Disteln und kleinen Nadelbäumen.
Kayaköy bei Fethiye
Kayaköy eignet sich als Ausgangspunkt für kurze Wanderungen. Eine 5 Kilometer lange Strecke führt durch Nadelwälder nach Ölüdeniz, geht man nach Westen ca. 3 Kilometer in Richtung Gemile, trifft man auf die Ruinen eines alten Klosters, das der Mönch Ayios Elefterios aus Buße in den Felsen gemeißelt haben soll. Von dort hat man einen guten Blick über verschiedene Buchten.

Für meinen Besuch in Kayaköy im Juni 2009 habe ich mir die Mittagszeit ausgesucht, um hier ein paar Stunden durch die verlassenen Gassen zu schlendern und einige der Kirchen und Kapellen zu besichtigen. Zwar ist diese Tageszeit, in der die Sonne grell und heiss direkt von oben scheint nicht gerade gut zum Fotografieren geeignet, doch ich wollte die Atmosphäre dieses besonderen Ortes möglichst ohne viele Besucher erleben.

Und tatsächlich treffe ich während meines Aufenthalts nur einmal ein australisches Paar und vor einer der Kirchen eine Frau aus Griechenland, deren Vorfahren hier wohl gelebt haben und die beim Blick über das verfalle Dorf gerührt in Tränen ausbricht. Einzelheiten kann ich leider nicht erfahren, denn die Verständigung beschränkt sich nur auf ein paar Worte.
Kayaköy bei Fethiye
Ein wenig traurig macht der Ort schon, all die Gerippe der einst schön gestalteten Häuser, Höfe und Kirchen. Doch ähnlich wie ich es beim Besuch archäologischer Stätten empfunden habe, ist es auch in diesem Geisterdorf faszinierend, sich vorzustellen, wie hier vor hundert Jahren und noch viel früher Menschen bis zum Ende des Osmanischen Reiches in einer blühenden Gemeinde gelebt haben.

Im Tal unterhalb des alten Dorfes befindet sich eine neue Siedlung, ein kleines Lokal mit Teegarten bietet hier Gözleme und Ayran an. Es sieht aber nicht so aus, als würden hier zu anderen Tageszeiten große Besucheranstürme erwartet. So wird ein Besuch in Kayaköy zu einer interessanten Begegnung mit der Vergangenheit und zu einem ruhigen Ausflug in die herrliche Natur der Umgebung.
Kayaköy bei Fethiye
Anfahrt:

Im Sommer kann man Kayaköy einfach und preisgünstig von Fethiye aus mit dem Dolmuş erreichen. Die Sammeltaxis (Minibusse) fahren nahe der Eski Camii (Alte Moschee) in Fethiye ab und verkehren von morgens 7 Uhr bis abends 22 Uhr (im Winter nur bis 17 Uhr). Mit dem Auto fährt man von Fethiye die Hauptstraße Richtung Ölüdeniz und biegt in Ovacık in Richtung Hisarönü ab (ca. 16 km). Schneller gehts vom Stadtzentrum in Fethiye unterhalb der Burganlage nach Kayaköy (ca. 8 km). Es gibt zwei Eingänge zum alten Teil des Dorfes, an denen Eintrittsgeld verlangt wird. Wer einen längeren Spaziergang durch das Geisterdorf oder eine kleine Wanderung in die Natur der Umgebung plant, sollte eine Wasserflasche nicht vergessen.

Umgebung: